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Infos und Benchmarks zur Ryzen-7000-Serie [Update]

von | Okt 10, 2022 | CPU | 0 Kommentare

Am 29. August 2022 stellte AMD die Ryzen-7000-Serie vor, welche die mittlerweile vierte Generation der Zen-Mikroarchitektur („Raphael“) darstellt und ab dem 27. September im Handel erhältlich sein wird. Sie besteht aus den Modellen Ryzen 5 7600X (6 Kerne/12 Threads), Ryzen 7 7700X (8 K/16 T), Ryzen 9 7900X (12 K/24 T) und Ryzen 9 7950X (16 K/32 T).

ModellTakt
Basis/Turbo (GHz)
L2+L3-Cache (MiB)RAMTDP (W)PPTPreis in EUR (Release)
Ryzen 9 7950X4,5/5,780DDR5-5200170230849
Ryzen 9 5950X3,4/4,972DDR4-3200105142540 (799)
Ryzen 9 7900X4,7/5,676DDR5-5200170230669
Ryzen 9 5900X3,7/4,870DDR4-3200105142399 (549)
Ryzen 7 5800X3,8/4,770DDR4-3200105142279 (449)
Ryzen 7 7700X4,5/5,440DDR5-5200105142479
Ryzen 7 5700X3,4/4,636DDR4-32006588249 (299)
Ryzen 5 7600X4,7/5,338DDR5-5200105142359
Ryzen 5 5600X3,7/4,635DDR4-32006588179 (299)

Stand: 22.09.22

Verbesserungen gegenüber der Ryzen-5000-Serie (Zen 3)

  • Neuer Sockel AM5: Was sich bei Intel-CPUs schon lange bewährt hat, hält nun auch bei AMD-Einzug: Statt empfindlicher „Beinchen“ (Pins) besitzen die neuen CPUs nun Kontaktflächen (Land-Grid-Array). Außerdem benötigen die neuen CPUs mehr Strom und unterstützen PCI-Express 5.0. Deshalb wurde nun auch ein neuer Sockel mit 1718 Kontaktflächen (LGA1718) eingeführt.
  • PCI-Express-5.0-Unterstützung: PCIe liefert nun mit 3,9 GB/s pro Lane eine doppelt so hohe Datenübertragungsrate wie der Vorgänger. Alle Ryzen-7000-Prozessoren stellen 24 PCI-Express-5.0-Lanes zur Verfügung.
  • DDR5- Unterstützung: Die neuen CPUs unterstützen DDR5-Arbeitsspeicher mit einer effektiven Taktfrequenz von 5200 MHz. Über EXPO (Extreme Overclocking Profile) können aber auch schnellere Speichermodule eingesetzt werden. Eigenentwicklungen der Mainboard-Hersteller wie DOCP (Asus) oder EOCP (Gigabyte) sollen so durch einen einheitlichen Speicher-Übertaktungs-Standard ersetzt werden, vergleichbar mit Intels XMP (Extreme Memory Profile). Der Vorgängerstandard DDR4 wird nicht mehr unterstützt.
  • 5-/6-nm-Fertigungsprozess (TSMC N5/N6): Trotz des größeren L2-Cache schrumpft die Größe der Chiplets mit den Prozessorkernen (CCX = Core Complex) um 18 Prozent – dank der von 7 auf 5 nm verkleinerten Strukturen. Beim I/O-Chip halbieren sich diese sogar von 12 auf 6 nm. Dadurch steigt nicht nur die Energieeffizenz; auch Taktfrequenzen von bis zu 5,7 GHz sind möglich. Zum Vergleich: Der Ryzen 5950X erreichte bei einem aktiven Kern nur maximal 4,9 GHz.
  • 13 Prozent höhere IPC-Rate: Die Anzahl der ausgeführten Befehle pro Taktzyklus (Instructions per clock) wurde vor allem durch Optimierungen im Front-End erhöht. Darunter versteht man den Bereich der CPU, in dem die eintreffenden Befehle gepuffert und dekodiert werden. Außerdem wurden die dynamische Sprungvorhersage beschleunigt und einige Puffer vergrößert (z.B. der Micro-Operation-Cache, die Sprungzielpuffer und die Warteschlangen vor den Ausführungseinheiten).
  • Größerer 2L-Cache: Der 2L-Cache wurde pro Kern von 0,5 auf 1 MiB verdoppelt.
  • Integrierte RDNA2-Grafikeinheit: Die integrierte GPU besitzt lediglich zwei CUs (eine Compute Unit besteht aus 64 Shader-Einheiten) und wird mit 400 MHz Basis- und 2.200 MHz Turbo-Takt betrieben. Sie eignet sich deshalb nur für die grundlegende Bildausgabe, der Fehlerdiagnose bei Grafikkartenproblemen sowie der beschleunigten En- und Dekodierung von Videodateien.
  • AVX-512-Befehlssatzerweiterung: Die „Advanced Vector eXtensions“ sollen vor allem KI-basierte (KI = künstliche Intelligenz) Berechnungen deutlich beschleunigen.

Kompatibilität mit bestehenden Systemen

Da erstmals seit Bestehen der Ryzen-CPUs mit dem AM5-Sockel eine neue Plattform eingeführt wird, sind bestehende Systeme nun nicht mehr kompatibel. Es wird ein Mainboard mit den neuen 600er-Chipsätzen B650, B650E(xtreme), X670 oder X670E(xtreme) benötigt. Mainboards mit den beiden teureren Chipsätze X670 und X670E, die sich eher an Enthusiasten richten, sind bereits im September verfügbar, während entsprechende Modelle mit den billigeren Mainstream-Chipsätzen B650 und B650E erst im Oktober erhältlich sein werden. Auch vorhandene DDR4-Speichermodule können nicht weiterverwendet werden, da die neuen Chipsätze nur noch DDR5-Speicher unterstützen.

Leistung

Dank der gestiegenen IPC-Rate und den wesentlich höheren Takfrequenzen soll laut AMD die Leistung bei einem aktiven Kern im Durchschnitt um 29 Prozent höher sein als bei der Vorgängergeneration.

Bei bis zu 48 Prozent bei Anwendungen und bis zu 35 Prozent bei Spielen soll der Vorsprung eines Ryzen 9 7950X laut AMD im Vergleich zum Vorgängermodell liegen. Bereits der schwächste Prozessor der Ryzen-7000-Serie, der Ryzen 5 7600X, kann sich in AMDs eigenen Spiele-Benchmarks durchschnittlich fünf Prozent vor der schnellsten Intel-CPU Core i9-12900K positionieren.

In unabhängigen Leistungstests (PCGH) liegen der Ryzen 7 7700X sowie Ryzen 9 7950X bei Spielen gerade einmal fünf bzw. sieben Prozent vor Intels Topmodell, im ComputerBase-Test sind es nur drei bzw. sechs Prozent. Der für diesen Zweck optimierte Ryzen 7 5800X3D kann sich teilweise noch vor das neue Spitzenmodell schieben.  Der Ryzen 9 7900X ist die schlechteste Wahl für Spieler: Dieser muss sich teilweise sogar den Ryzen-7-Modellen geschlagen geben, da die 12 Kerne auf zwei Chiplets verteilt sind und deshalb beim Datenaustausch höhere Zugriffszeiten entstehen. Diesen Nachteil kompensiert der Ryzen 9 7950X durch die höhere Taktfrequenz.

Wie schon bei der Ryzen-5000-Serie können die neuen CPUs ihre gesamte Leistung erst in Anwendungen voll entfalten. Hier liegen Ryzen 9 7900X und 7950X sieben bzw. 26 Prozent vor dem Core i9-12900K. Selbst der Ryzen 7 7700X kann sich noch knapp vor der Intel-CPU einordnen. Betrachtet man nur den Mehrkernbetrieb, dann fällt der Abstand erwartungsgemäß noch höher aus: Im häufig eingesetzten Cinebench-R23-Benchmark ist der Ryzen 9 7950X 40 Prozent schneller als ein Core i9-12900K. Im Durschnitt lässt sich sogar ein Vorsprung von 50 Prozent ausmachen. Man sollte sich aber auch der Tatsache bewusst sein, dass die Intel-CPU nur acht statt 16 Leistungskerne besitzt.

Stromverbrauch/Effizienz

Das Leistungsbudget wurde bei allen Modellen stark angehoben, so dass die maximale Leistungsaufnahme etwa beim 16-Kerner von 142 auf 230 W steigt. Damit kommt AMD in Regionen eines Intel Core i9-12900K, der eine maximale Leistungsaufnahme von 241 W hat. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass auch die Effizienz im Vergleich zum Ryzen 9 5950X laut AMD um bis zu 74 Prozent gesteigert wurde (bei einer TDP von 65 W).

In der Praxis liegt der Ryzen 9 7950X in Puncto Effizienz sogar noch hinter dem Intel Core i9-12900K und dem direkten Vorgänger R9 5950X. Nur im 65-W-Modus (Eco-Modus) kann er sich deutlich vor den beiden CPUs positionieren. Auch der R7 7700X kann nicht die Leistung pro Watt eines R7 5800X3D erreichen. Allerdings ist der Leistungsverlust bei einer deutlich niedriger eingestellten maximalen Leistungsaufnahme (PPT) gering. So fiel bei einer Verringerung des PPT eines Ryzen 9 7950X um 38 Prozent (von 230 auf 142 W) die Leistung nur um fünf Prozent.

Am als das am wenigsten effiziente Modell der Zen-4-Generation erweist sich der Ryzen 9 7900X, es sei denn er wird im Eco-Modus betrieben. Er ist im Normalbetrieb zwar 25 Prozent schneller als sein Vorgänger, benötigt aber auch 35 Prozent mehr Strom.

Die absolute, durchschnittliche Leistungsaufnahme in Spielen ist mit 135 (R9 7950X), 113 ( R9 7900X) bzw. 84 Watt (R7 7700X) ebenfalls höher als bei den entsprechenden Vorgängermodellen (R9 5950X: 115 W, R9 7900X: 103 W, R7 5800X: 80 W). Selbst der Intel Core i9-12900K benötigt im Schnitt 15 W weniger als der R9 7950X.

Auch bei Anwendungen steht der Ryzen 9 7950X mit 214 W an der Spitze, noch oberhalb des Intel Core i9-12900K mit etwa 200 W. Im Eco-Modus hingegen entpuppen sich sowohl der R9 7950X als der R7 7700X mit rund 90 W als sehr sparsame CPUs.

Preis

Erwartungsgemäß werden die Preise bei Einführung einer neuen CPU-Generation immer relativ hoch angesetzt. Dazu kommt noch eine hohe Inflation und die deutsche Mehrwersteuer. Während die Preiserhöhung beim Ryzen 9 7950X mit etwa sechs Prozent im Vergleich zum Ryzen 9 5950X (UVP zum Erscheinungstermin:  799,00 EUR) noch moderat ausfällt, sind es beim 7700X satte 60 Prozent. Allerdings sind die Preise damals aufgrund der hohen Nachfrage schnell angestiegen.

Fazit

Da gerade im Mehrkernbetrieb der größte Leistungszuwachs erzielt wurde, lohnt sich die neue Generation der Ryzen-CPUs vor allem für Content-Creators. Für Gamer hingegen bietet der Ryzen 7 5800X3D der Vorgängergeneration einfach noch das bessere Preis-/Leistungsverhältnis, denn das Leistungsplus in Spielen bewegt sich nur im niedrigen, einstelligen Bereich. Da die neuen CPUs mit den werksseitig eingestellten Leistungsaufnahme-Limits nicht sehr effizient arbeiten, lohnt es sich, den Eco-Modus einzuschalten, da sich der Leistungsverlust erfreulicherweise in Grenzen hält.

Quellen:

https://www.computerbase.de/2022-08/amd-ryzen-7000-vier-neue-cpus-bieten-plus-13-prozent-ipc-und-bis-zu-5-7-ghz-takt/

https://www.computerbase.de/2022-09/amd-ryzen-7950x-7900x-7700x-7600x-test/

https://www.pcgameshardware.de/AMD-Zen-Architektur-261795/News/AMD-Ryzen-7000-Zen-4-Offiziell-Launch-1402240/

https://www.golem.de/news/amd-raphael-zen-4-ryzen-7000-schlagen-intel-um-bis-zu-57-prozent-2208-167946.html

https://www.pcgameshardware.de/Ryzen-9-7950X-CPU-279068/Tests/AMD-Ryzen-7000-Zen-4-Review-Launch-1403987/

https://www.pcgameshardware.de/Ryzen-9-7900X-CPU-279077/Tests/AMD-Ryzen-Zen-4-Raphael-7000-7900X-Review-Test-1404823/